Sarwürken - Die Epposteiner

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Sarwürken

Hier geben wir einen sehr kleinen Überblick über die Geschichte des Kettenpanzers und dessen Herstellung. Auf den Bildern sieht man von uns angefertigte Schmuckstücke, Kettenhemden und andere Dinge.

Das Kettenhemd
Die Römer schrieben die Erfindung des Kettenpanzers den Kelten zu. Eine der älteste Abbildung eines solchen befindet sich auf dem Fries des Pergamonaltars aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Christus. Dort sieht man ein Kettenhemd inmitten von keltischen Beutewaffen das bereits die Form hatte, wie sie allgemein für römische Kettenhemden bis in die frühe Kaiserzeit charakteristisch blieb.
Es handelte sich hierbei um ein weites, ärmelloses, fast schrittlanges Hemd mit einem Kragenstück über den Schultern das auf der Brust mit Riemen zusammengehalten wurde.
Das Kettenhemd wurde in Deutschland auch Ringpanzer oder Ringelpanzer genannt und war ein Schutz des mittelalterlichen Kriegers, besonders der Ritterschaft.

Im Hochmittelalter wurden oft die Kettenhaube und die Fäustlinge, die auch aus einem Kettengeflecht waren, direket an die Ärmel und Halsansatz angesetzt. Erst später, gegen Ende des 13. Jahrhunderts, trennte man Kettenhaube und Handschuhe, diese wurden extra angefertigt. Zum Schutze der Beine, besonders bei den Reitern, wurden Kettenbeinlinge getragen. Diese gesamten Kettenteile war dann die Kettenrüstung.
Ende des 13. Jahrhunderts begann auch die Entwicklung der Rüstungsteile d.h. der Plattenharnische. Durch die immer weiter gehende Entwicklung und Verbesserung der Waffen was insbesondere die Erhöhung der Durchschlagskraft der Fernwaffen steigerte, mußte die Panzerung der Ritter immer weiter verbessert werden. Eine Rüstung nur aus Kettengeflecht bot schon bald keinen guten Schutz mehr.
Zur Kettenpanzerung wurden immer mehr Rüstungsteile entwickelt die aus Leder oder Metallplatten bestanden und zusätzlich zur Kettenrüstung getragen wurden. Etwa um 1250 kam ein aus Metallsegmenten bestehender Brustpanzer auf, der Plattenrock. Dieser bestand aus mehreren größeren Eisenplatten, die meist auf festem Stoff oder Leder aufgenietet und über dem Kettenhemd oder unter dem Waffenrock getragen wurde.
Ebenfalls um 1250 kamen zusätzlich ein aus Eisenblech getriebener Kniebuckel auf. Diese wurden über die Kettenbeinlinge geschnallt um die empfindlichen und Knie der Ritter zusätzlich zu schützen, da die Knie durch das mit der Zeit immer kürzer gewordene Kettenhemd und den immer kleiner werdenden Schild nicht mehr ausreichend geschützt waren.
Circa Ende des 13. Jahrhunderts ging man auch dazu über, Arme und Beine durch zusätzliche Panzerungen zu schützen. In einer französischen Bibel von 1250 sieht man die Darstellung eines französischen Ritters dessen Schienenbeine von halbrund gebogenen Metallschienen geschützt sind.
Die Kettenrüstung hat sich im Laufe der Jahrhunderte so weit verbreitet und fand eine so vielfältige Anwendung. Ein Grund dafür war bestimmt, die hohe Flexibilität und somit war diese in vielen Bereichen einsetzbar. Der große Vorteil des Kettengeflechtes war das es sich dem Körper wie eine zweite Haut anpasst und zugleich war dies aber auch sein größter Nachteil. Da das Kettengewebe ziemlich nachgiebig war, wurde die Wucht eines gegnerischen Hiebes nur unzureichend gedämpft. Ein Schwert oder Axthieb führte oft zu schweren Blutergüsse, Knochenbrüche oder Platzwunden.
Die größte Verletzungsgefahr verursachten gestoßene, geschossene oder geworfene spitze Waffen. Ein direkter Treffer konnte die Wucht haben um einzelne Ringe zu sprengen und somit konnte die Spitze der Waffe in den Körper eindringen.

Das Kettengeflecht
Die einzelnen Teile einer Kettenrüstung bestanden aus vielen kleinen Eisenringen, die ein elastisches Eisengeflecht bildeten.
Es wurden 4 Ringe durch einen weiteren Ring miteinander verbunden. Das sogeneannte 4 in 1 Geflecht ist durch historische Funde belegt.
Die Größe und Form der einzelnen Ringe läßt sich nicht einheitlich festlegen. Es wurden sowohl runde Ringe, als auchRinge mit rechteckigem Querschnitt verwendet.
Der Außen- und Innendurchmesser der Ringe war unterschiedlich. Je kleiner der einzelne Ring und je stärker das Material war, desto dichter und undurchdringlicher war das Gewebe. Im Museum für Hamburgische Geschichte befindet sich ein sogenannter Bischhofsmantel, ein Kettenkragen zum Schutz des Halses und der Schultern der aus dem 16. Jahrhundert stammt, und dieser ist aus unterschiedlich großen Ringen zusammengesetzt. Die kleinsten Ringe im Halsbereich bilden einen Stehkragen und haben einen Außendurchmesser von nur ca. 5 mm und dort ist das Geflecht sehr dicht.
Die heute verwendeten Kettenrüstungen bestehen meist aus Ringen mit einer Drahtstärke von ca. 1,3 mm und haben einem Außendurchmesser von 10 bis 12 mm, was den historischen Vorbildern sehr nahe kommt. Das Nackengeflecht des sogenannten Coppergate Helmes aus York ( ca 750 n Chr. ) besteht aus Ringen mit einem Innendurchmesser von ca. 8 mm.
 Die ursprüngliche Herstellung eines Kettenhemdes war sehr aufwendig. Zunächst wurde ein Draht mit dem gewünschten Ringdurchmesser hergestellt und dann wurden die Ringe aus dem Draht gebogen. Der Draht wurde hierzu um einen Stab herum zu einer Spirale gewickelt und dann der Länge nach geschnitten wobei man die Ringe erhielt. Das Ende der Ringe wurde abgeflacht, übereinander geschoben und dann durchbohrt. Es wurde dann sehr oft jeder einzelne Ring vernietet, nachdem er in das Geflecht eingefügt worden waren.
Da diese Art der Herstellung unglaublich zeitaufwendig und teuer war, benutzte man später auch im Wechsel ausgestanzte Ringe mit vernieteten oder verschweißten Ringen. Insbesondere die römischen Kettenhemden wurden sehr oft so gefertigt.
Vom Spanischen Königshaus, befindet sich in der Waffensammlung in Madrid ein Kettenhemd aus dem späten 14. Jahrhundert wo die Ringe fast einen rechteckigen Querschnitt haben. Die Ringe sind alle nur zusammengebogen aber weder vernietet und auch nicht verschweißt sind. Da diese Ringe einen rechteckigen Querschnitt haben, lassen sie sich nicht ohne Werkzeug aufbiegen und das Geflecht ist fast blickdicht.

Mark von Eppstein

 
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